Schornsteinfeger bringen Glück – seit geraumer Zeit wird Nils Baumgarten sicherlich noch häufiger als sonst diesen Spruch hören, wenn er seinem Beruf nachgeht. In Zeiten der Corona-Pandemie kann Glück ja nur helfen und kommt bei vielen Menschen gleich hinter Gesundheit und Besserung auf der Wunschliste. Als Tennisspieler beim TC RW Barsinghausen hat der 30-Jährige eigentlich Glück im Unglück, denn sein Hobby ist eine Individualsportart und darf auch im Lockdown ausgeübt werden. Vom Pech verfolgt scheint hingegen seine zweite große sportliche Liebe, der Fußball, zu sein, der seit dem letzten Oktoberwochenende nicht mehr rollen darf. Baumgarten nahm in dieser Hinsicht aber sein Glück selbst in die Hand und entschied schon bei der ersten coronabedingten Unterbrechung im März 2020, vorerst nicht mehr für den TSV Barsinghausen aufzulaufen.
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„Tennis zu spielen kann ich durch den Abstand auf dem Platz gerade noch verantworten, aber solch ein körperbetonter Sport wie Fußball geht dann nicht“, sagt der Deisterstädter. „Da wollte ich nicht die Gefahr eingehen, bei meinen Kunden etwas einzuschleppen.“ Daher teilte er seinem damaligen Coach Dennis Herrmann mit, beim Landesligisten erst einmal auszusetzen. Mit dem Schläger in der Hand ist Baumgarten weiterhin wöchentlich im Training dabei, aber auf einen Wettkampfmodus muss er auch dort verzichten. Die Winterrunde, die am 20. Februar beginnen sollte, ist wenige Tage vor dem Start vom Verband abgesagt worden.
Eine Familie voller Tennis-Asse
„Wir hatten uns natürlich bereit gehalten und sind fit geblieben, aber so richtig hat keiner damit gerechnet, dass gespielt werden kann“, sagt der Kapitän der Barsinghäuser Tennismannschaft, die in der Verbandsliga 66 unter anderem auf den TSV Havelse, TC Sommerbostel und MTV Engelbostel-Schulenburg getroffen wäre. Lockerungen hätte es in den zurückliegenden Wochen ja kaum gegeben, „warum sollten wir dann im Tennis um Punkte kämpfen?“, fragt Baumgarten.
Bei seinem Tennis-Club Rot-Weiß dürfen maximal zwei Haushalte gleichzeitig in der Viererfeldhalle trainieren. Als die Corona-Regeln noch erlaubten, dass sich Verwandte in gerader Linie unbeschränkt treffen dürfen, hätten alle Plätze in Barsinghausen von den Baumgartens besetzt werden können. Vater Jürgen, Mutter Gisela, die Brüder Jörn und Lasse sowie Schwester Sabrina – alles Tennisspieler. „Tennis war in unserer Familie immer ein Bestandteil. Von klein auf waren wir immer auf den Platz“, sagt der älteste Spross.
Fußball und Tennis zusammen klappt (fast) immer
Ein weiterer Begleiter seit der Kindheit ist aber auch der Fußball gewesen. Im Punktspielbetrieb lassen sich die beiden Sportarten prima parallel betreiben, da die Sommer- und Winterrunden mit dem Filzball so gut wie komplett in die Sommer- und Winterpause mit dem Lederball fallen. „Nur Ende Mai gibt es Überschneidungen, da wird es schon mal schwierig für mich“, sagt Baumgarten. So wie im Jahr 2019, als die Barsinghäuser Kicker kurz vor dem Aufstieg in die Landesliga standen, der TC RW aber auch jeden Punkt brauchte, um als Meister in die Landesliga hochzugehen. „Da musste ich mich entscheiden – und habe Tennis gewählt“, sagt der Calenberger. Früher sei das anders gewesen, aber mittlerweile hat der weiße Sport bei ihm Priorität. „Und außerdem war unser Vorsprung beim Fußball groß genug, dass die Jungs das auch ohne mich gepackt hätten“, erinnert sich der Defensivallrounder zurück. Damit sollte er Recht behalten – ebenso wie mit seiner Wahl, denn auch die Tennis-Asse vom Deister wurden Erster und durften feiern.
Zum TSV Barsinghausen wechselte Baumgarten 2016 vom 1. FC Germania Egestorf/Langreder – auf dem Fußballplatz seit vielen Jahren rivalisierende Vereine, die nicht viel Gutes übereinander sagen. Aber alles halb so schlimm, sagt einer, der beide Seiten kennt. „Natürlich waren sie in Egestorf enttäuscht, dass einer, der dort durch alle Jugendklassen gegangen ist, dann ausgerechnet nach Barsinghausen geht“, sagt Baumgarten. Doch abseits des Fußballplatzes kämen alle Protagonisten gut miteinander aus. In Germanias Zweitvertretung, wo er in der Abwehr stand, waren von den Alteingesessenen kaum noch welche übrig. Aus der Reserve wurde eine U23, in die immer mehr Talente aufgenommen wurden, mit denen Baumgarten privat keinen Kontakt hatte. „Das ist beim TSV ganz anders, auch wegen des Umfelds bin ich dann dorthin gewechselt“, sagt er.
Pause heißt nicht Ende
Seine Corona-Pause bedeutet aber nicht, dass er in Zukunft nicht wieder das Barsinghäuser Fußballtrikot überstreifen wird. „Sobald die Ansteckungsgefahr nicht mehr hoch ist, die Impfstrategie greift und es kaum noch Fälle gibt, mache ich mir da wieder Gedanken“, sagt der 30-Jährige. Das sei Stand jetzt schwer abzuschätzen, er selbst sieht es als schwierig an, dass vor dem Sommer noch einmal gekickt wird. Aber so freut sich die Freundin über mehr Zeit mit ihrem Partner, der sonst neben seinen Beruf viel Zeit in den Sport investiert – schließlich ist er in gleich zwei Sportarten relativ hochklassig im Amateurbereich aktiv. „Klar muss sie darunter leiden, oft muss man ja auf vieles verzichten“, sagt Baumgarten. „Aber zurzeit bin ich mehr zu Hause, das freut meine Freundin natürlich.“
Was ihn auch freut, ist, dass die Menschen in der Lockdownzeit viel aus dem Homeoffice arbeiten – das macht die Terminabsprache mit dem Schornsteinfeger viel einfacher als sonst. „Anfangs haben viele Leute im eigenen Haushalt keine Masken getragen, als ich kam. Da musste ich öfter auf die Abstands- und Hygieneregeln hinweisen“, sagt Baumgarten. Mittlerweile habe sich das aber eingependelt – zum Glück. Und damit kennt sich der Deisterstädter beruflich ja aus.
Dieser Beitrag In Barsinghausen gleich doppelt gefordert: stammt aus folgender Quelle www.sportbuzzer.de und wurde am 2021-03-02 19:28:00 veröffentlicht.
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