Wenn es jemand verdient hat, ausgezeichnet zu werden, dann diese beiden: Da waren sich bei der Sitzung des Gemeinderates Gieboldehausen alle einig. Im Mittelpunkt standen zu Beginn der Beratungen im Flecken-Gremium mit Manfred Klingebiel und Lothar Klein zwei ehemalige Schornsteinfeger, die sich seit 15 Jahren bei der Glückstour für krebs- und schwersterkrankte Kinder engagieren.
Eigentlich sollten die beiden Gieboldehäuser bereits beim Neujahrsempfang geehrt werden, doch die Traditionsveranstaltung musste wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Bei der Sitzung des Flecken-Rates wurde die Auszeichnung nachgeholt – und für Klingebiel und Klein zusätzlich mit einer Überraschung versüßt.
Helbrok ist der Überraschungsgast des Abends
Als Klingebiel und Klein, die in echter Glückstour-Tradition im Rad-Dress erschienen waren, sich in der ersten Reihe des Zuhörerbereichs nach Eröffnung der Sitzung auf warme Worte und ihre Ehrung gefasst machten, ging die Tür zur Sporthalle Gieboldehausen auf, und es erschien Ralf Helbrok: Der Glückstour-Initiator und -Cheforganisator hatte es sich, wie Bürgermeisterin Maria Bock (CDU) berichtete, nicht nehmen lassen, eigens für die Auszeichnung aus Bielefeld anzureisen. „Für die beiden würde ich sonstwohin fahren“, habe Helbrok Bock am Telefon versichert, erzählte die Bürgermeisterin.
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Bock beschrieb Klingebiel und Klein als ein „legendäres Duo aus Gieboldehausen“ und als „Glückstour-Legenden“. Kurios: Sowohl der 76-jährige Klingebiel als auch der 79-jährige Klein sind am 18. Januar geboren. Seit 15 Jahren stellen sie sich in den Dienst der guten Sache und nehmen an der jährlichen Glückstour ehemaliger Schornsteinfeger durch Deutschland teil.
Klein zeichne sich dabei als Fahrer und Verpflegungsprofi sowie als „Organisationstalent“ aus, Klingebiel unter anderem durch stramme Waden, die ihm auch vor zwei Jahren eine Hilfe waren, als die Glückstour durch Gieboldehausen führte. Zum Dank dafür gab es auf der Gemeinderatssitzung neben Urkunden auch Vitamine und einen Präsentkorb.
Die schönste Überraschung für Klingebiel und Klein war aber, dass der Flecken Gieboldehausen das Geld, das für Speisen und Getränke beim Neujahrsempfang gedacht war und wegen der Absage eingespart wurde, als Spende der Glückstour zukommen lässt. Bürgermeisterin Bock überreichte so einen Scheck in Höhe von 500 Euro für den guten Zweck.
„Was die beiden leisten, ist sensationell“, sagte Helbrok bei der Würdigung der beiden Glückstour-Aktivisten. „Sie leben der Gesellschaft vor, wie man sich sozial engagieren kann.“ Helbrock bezeichnete Klein als einen „Radsportler vor dem Herrn“, der stets um die Verpflegungssituation besorgt sei: „Willst du eine Banane?“, sei Kleins Standardfrage. Helbok: „Beide sind ein Vorbild für die ganze Truppe.“
Im Gegenzug erhält der Flecken ein Glückstour-Bild
Klingebiel und Klein bedankten sich herzlich für die Ehrung und durften sich im Anschluss mit Helbrok zu einem Plausch vor die Tür der Sporthalle zurückziehen – sie seien zwar eingeladen, den politischen Beratungen zu folgen, sie hätte aber auch größtes Verständnis dafür, wenn sich die beiden ehemaligen Schornsteinfeger mit dem Überraschungsgast erst einmal gründlich austauschen wollten, sagte Bock.
Am Ende der Sitzung gab es auch noch ein Geschenk für die Verwaltung, gleichsam als Dank für die unverhoffte Spende, die der Glückstour durch den ausgefallenen Neujahrsempfang zuteil wurde: Klingebiel und Klein überreichten Bock im Namen des bereits wieder abgereisten Helbrok das Bild eines Künstlers, das in limitierter Auflage eigens für die Glückstour angefertigt worden war.
Drei Millionen Euro an Spenden gesammelt
Sieben Tage lang treten jedes Jahr engagierte Schornsteinfeger in die Pedale. Knapp 1000 Kilometer legen sie dabei zurück, Ziel ist der jeweilige Bundesverbandstag der Schornsteinfeger. Dort wird ein Großteil der Spenden in Empfang genommen und an Vereine oder Institutionen übergeben. Ralf Helbrok, Initiator und Hauptorganisator der Glückstour, macht jeweils die mit Spannung erwartete Gesamtsumme der gesammelten Spenden des Jahres öffentlich. Alles in allem habe die Glückstour in 15 Jahren die stolze Summe von beinahe drei Millionen Euro erlöst, die fast 1:1 weitergegeben würden, berichtete er in Gieboldehausen. „Wie eine große Familie“ nehme sich das Glückstour-Team mittlerweile aus, berichtete Helbrok nicht ohne Stolz.
Von Eduard Warda
Dieser Beitrag Flecken Gieboldehausen zeichnet Klingebiel und Klein aus stammt aus folgender Quelle www.goettinger-tageblatt.de und wurde am 2021-03-18 15:00:00 veröffentlicht.
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