Im gesamten Raum Hannover wird in den kommenden Jahren die Gasversorgung umgestellt: Statt des bisherigen L-Gases wird das energiereichere H-Gas in die Leitungen eingespeist. Deshalb müssen alle Geräte umgerüstet werden: Gasthermen und Zentralheizungen, Herde, Öfen und Gaskamine. Die Änderung betrifft nach Angaben des Netzbetreibers Enercity rund 260.000 Haushalte in der Region Hannover.Immerhin: In nahezu allen Fällen soll die Umstellung kostenlos für die Kunden sein. Weil aber an allen Geräten Teile ausgetauscht werden müssen, bekommt jeder Gaskunde mindestens zwei Mal Besuch. Beim ersten Mal wird das Gerät überprüft, beim zweiten Mal wird daran gearbeitet. Nach Angaben von Enercity werden etwa 2 Prozent der Geräte nicht umrüstbar sein. Dann müssen die Gebäudeeigentümer sich um ein Neugerät kümmern, zu dem es Zuschüsse geben soll. Enercity-Netz-Geschäftsführer Karl-Josef Risch sagt, dass das Unternehmen sich intensiv auf den Austausch vorbereitet habe. Weil große Teile Deutschlands bereits umgestellt ist, vom Ruhrgebiet bis nach Bremen, konnte Enercity von den Erfahrungen aus anderen Regionen profitieren. Wir beantworten die wichtigsten Fragen:
Warum ist die Umstellung nötig?
Lange Zeit wurde überall in Deutschland das energiearme L-Gas (L wie Low-Energy) verwendet. Es stammt überwiegend aus deutschen und niederländischen Quellen. Die Vorräte versiegen aber, die Niederlande steigen aus der Erdgasproduktion aus. Deshalb soll es ab 2030 nur noch H-Gas (H wie High-Energy) geben. Im Raum Hannover soll die Umstellung bis 2025 abgeschlossen sein.
Wann bin ich an der Reihe?
Umstellung auf H-Gas im Enercity-Netz: Das sind die betroffenen Gebiete.
Quelle: Enercity-Netz
Ganz vereinzelt sind Ortschaften am Nord- und Ostrand der Region schon umgestellt. Jetzt beginnt der Netzbetreiber Enercity-Netz, zu dessen Gebiet Hannover, Langenhagen, Seelze, Teile von Ronnenberg sowie Laatzen (Ortsteile Alt-Laatzen, Laatzen-Mitte und Grasdorf) und Hemmingen-Westerfeld gehören. Drei Phasen sind geplant: In Langenhagen startet die Geräte-Erfassung ab September, die Umrüstung der Geräte dann ab Mai 2023. Für die gesamte Osthälfte Hannovers startet die Erfassung ebenfalls ab September 2021, die Umrüstung aber erst ab Dezember 2023. Für die gesamte Westhälfte Hannovers startet die Erfassung ab Oktober 2022 und die Umrüstung ab Dezember 2024.
Müssen die Kunden sich kümmern?
Gasumstellung bei Enercity-Netz: Jedes für H-Gas freigegebene Gerät soll einen Aufkleber erhalten.
Quelle: Enercity-Netz
Nach Angaben von Enercity: Nein. Jeder Haushalt, der einen Gasanschluss hat, soll in einem Brief informiert werden. In der ersten Runde werde Enercity „spezialisierte und zertifizierte Fachunternehmen“ schicken, die sich jedes Gerät anschauen, um zu klären, ob es die entsprechenden Austauschteile noch gibt. Wenig später beginnt dann der Austausch. Meist geht es um die Düsen. Jedes geprüfte und freigegebene Gerät erhält einen silbernen Aufkleber als Siegel. Möglicherweise kommt später noch jemand von Enercity vorbei und überprüft, ob die Firmen ordentlich gearbeitet haben.
Wer zahlt den Austausch?
Das Umrüsten der Geräte bezahlt zunächst der Netzbetreiber, also in Hannover Enercity. Weil die Kosten deutschlandweit auf alle Gaskunden umgelegt werden, zahlen am Ende dann doch wieder die Verbraucher – aber über das Umlageverfahren und nicht jeder für sein Gerät.
Wird der Gasverbrauch teurer?
Gas wird nicht nach Menge (Kubikmeter) bezahlt, sondern nach Energie (Kilowattstunden). Mit dem energiereicheren Gas sinkt zwar bei gleichem Verbrauch die schiere Menge, die Energie soll aber gleich bleiben. Am Preis dürfte sich also nichts ändern. Das bestätigt auch die Verbraucherzentrale in einer Stellungnahme.
Was ist, wenn das Gerät nicht umrüstbar ist?
Teilweise sind noch Thermen und andere Gasgeräte in Betrieb, die aus den Siebzigerjahren stammen: Wenn der Schornsteinfeger sie nicht wegen zu hoher Schadstoffwerte stillgelegt hat, dürfen sie weiterlaufen. Es könne vorkommen, dass es für einzelne Geräte die zur Umrüstung nicht mehr benötigten Teile nicht mehr gibt. Dann werden die Hauseigentümer informiert, dass sie ein neues Gerät einbauen müssen.
Wer bezahlt ein notwendiges Neugerät?
Die meisten Gasgeräte lassen sich relativ problemlos umrüsten.
Quelle: Iris Blank
Ist das Gerät nicht umrüstbar, muss ein anderes Gerät eingebaut werden. Dafür gibt es einen Zuschuss – der beträgt aber in der Regel nur 100 Euro. Bei einer Heizung kann die Summe nach Angaben der Verbraucherzentrale bis auf 500 Euro steigen. Eine neue Gastherme oder Heizung kostet allerdings ein Vielfaches. Bei Geräten, die älter als 25 Jahre sind, gibt es keine Zuschüsse.
Warum macht die Polizei mit?
Es kann sein, dass Trickbetrüger sich den Umstand zunutze zu machen, dass 260.000 Haushalte mehrfach besucht werden müssen. Deshalb hat Enercity mit der Polizei ein Verfahren zur Sicherung abgestimmt: Auf dem Brief, den die Haushalte bekommen, ist eine Codenummer vermerkt. Wenn jemand an der Tür klingelt und wegen des Gasgeräts in die Wohnung will, dann fragt man diese Codenummer ab. Stimmt sie nicht, dann lässt man niemanden hinein. Wenn man den Code verlegt hat, ruft man Enercity an, dafür ist eine Servicenummer geschaltet (siehe unten).
Was ist, wenn ich nicht bei Enercity Gaskunde bin?
Wer das Gas konkret liefert, ist für die Umstellung egal. Entscheidend ist, wer das Gasnetz betreibt. Das ist in Hannover, Langenhagen, Ronnenberg, Seelze sowie weiten Teilen von Laatzen und Hemmingen das Unternehmen Enercity-Netz. Dort wird nun umgestellt. Andere Netzbetreiber sind entweder schon fertig oder kommen später dran – auf jeden Fall vor 2030.
Kann ich mich gegen die Umstellung wehren?
Offenbar nicht, das bestätigt auch die Verbraucherzentrale. Die Änderung ist gesetzlich vorgeschrieben. Denn wenn in den Gasleitungen nur noch H-Gas fließt, kann kein Gerät mit L-Gas-Anschluss mehr verwendet werden. Es besteht Explosionsgefahr. Nur wenige Geräte sind für beide Gasarten ausgelegt und schalten sich automatisch um.
Wo bekomme ich weitere Informationen?
Jeder Netzbetreiber ist verpflichtet, ein sogenanntes Erdgasbüro einzurichten, das die Umstellung koordiniert. Wegen Corona ist es derzeit noch nicht für Besuche erreichbar. Im Internet ist das Enercity-Gasbüro zu erreichen unter www.mein-h-gas.de, zudem ist die kostenfreie Telefonnummer (0800) 36372889 geschaltet.Von Conrad von Meding
Dieser Beitrag Alle Gasgeräte müssen umgestellt werden stammt aus folgender Quelle www.haz.de und wurde am 2021-05-17 16:09:00 veröffentlicht.
Bitte beachten Sie die Urheberrechte bei Weiterleitung und Veröffentlichung.
Neueste Kommentare