Die Tage werden wieder kürzer, die Temperaturen fallen. Zeit, den Kamin zuhause wieder zu nutzen. So gemütlich das ist, so schlecht sind viele Kamine für die Umwelt. Deshalb hat der Bund nun reagiert und neue Regeln für Kamine beschlossen.
Viele Kamine, rund 650.000 alleine in Rheinland-Pfalz, verschmutzen die Luft und Luftverschmutzung ist laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) neben dem Klimawandel eine der größten umweltbezogenen Bedrohungen für die menschliche Gesundheit. Zu dem Ergebnis kommen die neuen globalen Luftgüteleitlinien der WHO. Auch das Bundesumweltministerium sagt: Feinstaub in der Luft beeinträchtigt die Gesundheit insbesondere von Kindern, Senioren und kranken Menschen.
Beim Heizen mit Pelletheizungen, Kachelöfen oder Kaminen werden Feststoffe wie Holz oder Kohle verbrannt. Dabei entstehen nicht nur unangenehme Gerüche und Rauch, sondern auch gesundheitsschädigende Schadstoffe, zum Beispiel Feinstaub. Besonders problematisch würde die Belastung durch Kaminöfen in eng bebauten Wohngebieten, so das Umweltministerium. Hier sammelten sich die Schadstoffe in Bodennähe, statt über den natürlichen Luftstrom verteilt zu werden.
Keine Schadstoffe in windstillen Orten zwischen den Häusern
Um dem Problem mit den Schadstoffen in Bodennähe entgegenzuwirken, wurde eine Veränderung der Verordnung für kleine und mittlere Feuerungsanlagen, wie zum Beispiel Kamine, vorgenommen. Sie betrifft vor allem die Position des Schornsteins.
Das sind die Neuerungen
Der Schornstein muss in der Nähe des Firsts sein und diesen um mindestens 40 cm überragen. So soll gewährleistet werden, dass die Abgase ausreichend verdünnt und anschließend verteilt werden. Außerdem sei er so weit genug von Fenstern oder Türen entfernt, mit denen Anwohner möglicherweise lüften, und durch die Schadstoffe in Häuser gelangen könnten. Als weiteren positiven Nebeneffekt nennt das Umweltministerium, dass Beschwerden aus der Nachbarschaft bei den zuständigen Vollzugsbehörden abnehmen könnten und diese so entlastet werden würden.
Von den Änderungen betroffen sind nur Öfen, die ab Inkrafttreten der Verordnung, laut BMU am 1.1.2022, eingebaut werden. Für alte Heizanlagen ändert sich nichts.
Kamin für ein Haus ohne Schornstein?
Günther Meurer, Geschäftsführer der Innung der Kachelofen- und Luftheizungsbauer in Rheinland-Pfalz und Hessen, sagt, die neue Verordnung würde Kundinnen und Kunden abschrecken, die derzeit keinen Schornstein im Haus haben. Dieser müsse dann mitten durchs Haus geführt werden, um die Firstnähe einhalten zu können. Unter Umständen käme es dabei auch zu Ofen-Standorten, die weder gewünscht noch praktikabel seien. „Es ist mit Sicherheit ein Grund, bei dem die Leute sagen: Nein, das mache ich nicht. Wie sieht das denn aus?“ Und er könne verstehen, dass man sich die Architektur des eigenen Hauses nicht verschandeln wolle.
Kompromiss für Handwerk erarbeitet
In den ersten Entwürfen zur Änderung der Verordnung sei, laut Meurer, vorgesehen gewesen, dass auch bei bereits installierten Öfen der Schornstein hätte angepasst werden müssen, sobald an der Anlage etwas erneuert worden wäre. „Das wäre der Todesstoß für uns gewesen! Da hätten die Leute gesagt: Dann mache ich da gar nix mehr.“ So, wie es nun sei: Dass bestehende Anlagen nicht von der Verordnung betroffen seien, damit könne man gut umgehen.
„Im Sinne der Umwelt, im Sinne der Luftreinhaltung ist diese Regelung durchaus zu begrüßen.“
Michael Bauer, der Landesinnungsmeister der Schornsteinfeger in Rheinland-Pfalz, sieht in der Regelung durchaus eine Verbesserung. Es sei eine Chance, Schornsteine wieder als Standard anzusehen. Daher appelliert er an die Planer und Architekten von Neubauten: „Denkt bitte dran, wenn ihr neue Häuser plant, dort Schornsteine einzuplanen, bzw. einzubauen. Und wenn ihr die einplant, dann bitte so im Haus, dass sie tatsächlich in Firstnähe rausragen.“ Ein Schornstein störe nicht und man sei immer gut beraten, ihn grundsätzlich zur Verfügung zu haben, egal ob man sich einen Kaminofen für das Wohnklima anschaffen wolle oder nicht. Schornsteine nachträglich außen am Haus entlang zu bauen und an der Traufe zu befestigen sei nach der neuen Regelung nicht mehr möglich.
Ein solcher Schornstein kann nach der neuen Verordnung nicht mehr gebaut werden.
Geruchsbelästigung zumeist Folge von falscher Bedienung
Die Rauchgasbelästigung von Nachbarn sei eines der Hauptargumente für die Änderung der Verordnung gewesen, so Günther Meurer. Seiner Erfahrung nach seien die Hintergründe dieser Vorfälle jedoch fast ausschließlich auf Bedienungsfehler zurückzuführen gewesen, zum Beispiel wurde nasses Holz verwendet. Die Position des Schornsteins sei nicht der richtige Ansatz. Aufklärung und Beratung der Kaminofenbesitzer oder auch die fachmännische Überprüfung der Anlage würden die Ursache in den meisten Fällen viel schneller und einfacher aus dem Weg räumen.
Vermeiden statt verdünnen müsse das Ziel sein
Der Deutschen Umwelthilfe (DUH) geht die neue Verordnung nicht weit genug. DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch nennt die Änderung eine „Scheinlösung“: „Die geplante Novellierung der ‚Saubere Luft‘-Verordnung atmet den Geist der 70er Jahre, Giftstoffe durch höhere Schornsteine nicht zu reduzieren, sondern nur breiter zu verteilen. Das ist insbesondere zynisch angesichts von 60.000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaub in Deutschland.“ Die Maßnahme sei ungeeignet und bringe nicht den gewünschten Effekt, nämlich Klima und Gesundheit zu schützen. Die DUH fordert eine Weiterentwicklung der Gesetzeslage, sodass Heizen mit Holz künftig nur noch mit den vom Blauen Engel zertifizierten Anlagen möglich ist.
Der Blaue Engel für Kaminöfen
Eigenen Angaben zufolge seien Produkte und Dienstleistungen, die mit dem Siegel ausgezeichnet wurden, umweltfreundlicher als vergleichbare, konventionelle Produkte.
Kaminöfen, die mit dem blauen Engel zertifiziert seien, hätten ein erweitertes Prüfverfahren durchlaufen. Verbaut würden Einrichtungen zur Emissionsminderung für eine effiziente und geregelte Verbrennung mit deutlicher Reduzierung der Staub- und sonstigen Abgasemissionen. Solche Innovationen seien für die gesamte Branche gefordert, so der Blaue Engel.
Am Mittwoch hat die DUH in über 100 Städten in Deutschland eine Filterpflicht für Holzöfen beantragt. Ausgewählt wurden die Städte laut DUH danach, ob sie die Grenzwerte der WHO laut Daten der Europäischen Umweltagentur überschreiten oder den Klimanotstand ausgerufen haben. Auch die rheinland-pfälzischen Städte Kaiserslautern, Koblenz, Mainz, Speyer und Trier sind darunter.
„Es kann nicht sein, dass Holzöfen im Jahr 2021 noch immer ohne wirksame Abgasreinigung betrieben werden dürfen.“
Die Aktion sei eine Mitmachaktion, bei der Bürgerinnen und Bürger dazu aufgerufen seien ein Musterschreiben beim Oberhaupt ihrer Kommune einzureichen und damit auf eine Filterpflicht für Holzöfen aufmerksam zu machen. Mit der Kampagne wolle die DUH den Druck auf Städte und Gemeinden erhöhen, endlich wirksame Maßnahmen für saubere Luft in Wohngebieten umzusetzen.
Feinstaubfilter sind eine teure Angelegenheit
Im Prinzip habe die DUH Recht mit ihrer Kritik, es sei nur eine Verdünnung der Abgase, sagt auch Schornsteinfeger Michael Bauer. Dennoch entstünde eine aktive Verbesserung für den unmittelbaren Lebensbereich, wenn die Schornsteine so platziert würden wie vorgesehen. Der Einbau eines Feinstaubfilters sei in den meisten Fällen so teuer wie der gesamte Ofen selbst. Er könne sich daher nicht vorstellen, dass eine Feinstaubfilter-Pflicht gut ankäme. Allgemein müsse immer je nach Fall entschieden werden, so Referent für Ofen- und Luftheizungsbau und Erneuerbare Energien, Tim Froitzheim, vom Zentralverband Sanitär, Heizung, Klima. Feinstaubfilter seien nicht immer die geeignete Maßnahme. Für Kaminofen-Besitzer, die nur gelegentlich ihre Brennstelle nutzen, sei ein Feinstaubfilter völlig unverhältnismäßig. Die Forderung der DUH sei daher idealistisch und wenig konstruktiv.
Moderne Öfen sind emissionsärmer und nachhaltiger
Laut Meurer gibt es bereits eine deutliche Innovation im Handwerk hin zu Geräten mit einer nierigeren Feinstaub- und CO2-Belastung. Zum einen sei bei der Brennraumgeometrie die Luftführung verbessert worden und zum anderen seien die Öfen generell dichter geworden. Insgesamt würde weniger Holz gebraucht werden und weniger Asche entstehen, da die Öfen rückstandsloser verbrennen würden. Und um zukünftig noch mehr Bedienungsfehler ausschließen zu können, gebe es elektronische Verbrennungsluftregelungen. Aus Sicht der Innung würde mit der Verordnung über die Position der Schornsteine nicht an der richtigen Stellschraube gedreht. Es sei natürlich wichtig Emissionen zu verhindern, jedoch gebe es hierfür viel wirksamere Maßnahmen, wie die technischen Innovationen zeigten.
Dieser Beitrag Besser fürs Klima? Schornsteine müssen künftig firstnah gebaut… stammt aus folgender Quelle www.swr.de und wurde am 2021-10-01 02:04:30 veröffentlicht.
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