Die Preise für Heizöl und Erdgas klettern in die Höhe, auch Vorgaben im neuen Gebäude-Energiegesetz (GEG) lassen viele Hausbesitzer über eine Modernisierung ihrer alten Öl- oder Gasheizung nachdenken. „Die Nachfrage nach Energieberatungen steigt“, bestätigt der Wolfsburger Bezirksschornsteinfeger Thomas Pufke. Viele würden beispielsweise über den Einbau einer Pelletheizung nachdenken. „Das ist zunächst teurer, wird aber mit bis zu 45 Prozent gefördert.“ Wie bei der Ölheizung bleibt man mit der Pelletheizung ein Stück weit autark: Statt Heizöl werden kleine Holzkügelchen geliefert. „Das ist ein nachwachsender, CO2-neutraler Rohstoff“, erklärt Pufke. Das Heizen bleibt also langfristig günstiger, denn auf die Holzpellets entfällt keine CO2-Abgabe.
Mehrzahl der Heizungen ist älter als 20 Jahre
Das Potential der Energieeinsparung einer neuen Heizung ist hoch. Rund 70 Prozent der Öl- und 60 Prozent der Gasheizungen in Deutschland sind laut des Bundesverbands des Schornsteinfegerhandwerks 20 Jahre und älter. Vor einer Umrüstung sollte mit einem Energieberater ein Fahrplan aufgestellt werden, empfiehlt Pufke. Sein Tipp: Rechtzeitig Angebote über mehrere Alternativen einholen, bevor die Heizung unerwartet ausfällt und überstürzt eine Lösung gefunden werden muss.
Erhebliche Zusatzkosten durch CO2-Preis
Der 2021 eingeführte CO2-Preis für den Verbrauch fossiler Energieträger soll den Umstieg auf klimaschonende Technologien attraktiver zu machen. Zum 1. Januar ist die CO2-Bepreisung von 25 auf 30 Euro pro Tonne Kohlendioxid gestiegen. Der Preis steigt bis zum Jahr 2025 schrittweise auf 55 Euro. Für Eigentümerinnen und Eigentümer, die noch mit Öl oder Gas heizen, bedeutet das höhere Betriebskosten. In einer Beispielrechnung hat das Programm Zukunft Altbau für einen 150-Quadratmeter-Altbau mit einem Jahresverbrauch von 3000 Litern Heizöl errechnet, dass von 2021 bis 2025 mit Zusatzkosten von insgesamt rund 1800 Euro zu kalkulieren ist. Weil der CO2-Preis auch in den kommenden Jahren Stück für Stück angehoben werden soll, könnten die Zusatzkosten in Zukunft noch weit höher sein.
Verbot für Einbau neuer Ölheizungen ab 2026
Dabei seien stets individuelle Lösungen gefragt, erklärt der Schornsteinfeger. Neben dem Alter der Kundinnen und Kunden, dem Budget und der Anschlussmöglichkeiten müsse die Reihenfolge der energetischen Modernisierung bedacht werden. Vor dem Kauf einer neuen Heizung sollte zunächst das Haus gedämmt werden und nicht umgekehrt, sonst könnte sich die Heizung im Nachhinein als zu leistungsstark herausstellen.
Austauschpflicht und Ausnahmen
Das seit November 2020 geltende Gebäudeenergiegesetz (GEG) macht unter anderem Vorgaben zur Heizungstechnik im Haus: Öl- und Gas-Heizkessel, die älter als 30 Jahre sind und zwischen vier und 400 Kilowatt Heizleistung haben, müssen ausgetauscht werden. Ausnahme: Man wohnt bereits seit Februar 2002 im selbst genutzten Gebäude. Die Austauschpflicht gilt nicht für Brennwert- und Niedertemperatur-Kessel.
Wer seine Ölheizung mit einem neuen Brennwertgerät ertüchtigen möchte, muss bedenken, dass ab 2026 der Einbau neuer Ölheizungen verboten ist. Ausnahmen gibt es, wenn ein Haus weder mit Gas noch mit Fernwärme versorgt und die Heizung auch nicht aus erneuerbaren Energien betrieben werden kann. Die Aufrüstung ist auch nach 2026 noch möglich, wenn diese in Form einer Hybridheizung mit erneuerbaren Energien wie einer Wärmepumpe oder Solarthermie kombiniert wird.
Interesse an Anschluss ans Netz für Erdgas oder Fernwärme nimmt zu
Durch die neuen Vorgaben des GEG steigt das Interesse an einem Anschluss für Fernwärme oder Erdgas, sagt LSW-Sprecherin Birgit Wiechert. Beim Umstieg sind die Anschlusskosten der wichtigste Faktor. Wie viel die Kunden im Einzelfall zahlen müssen, richtet sich unter anderem nach der Leitungslänge. „Bei Bestandsbauten enthalten die Angebote zur Fernwärme- und Erdgasumstellung auf Kundenwunsch auch die Entsorgung des Öltanks“, so LSW-Sprecherin Birgit Wiechert. „Im vergangenen Jahr rüstete die LSW insgesamt rund 700 Erdgas- und 100 Fernwärmeanschlüsse in Altbauten um.“
Heizöllieferung: Verbraucher müssen mit weiter steigenden Preisen rechnen.
Quelle: David Inderlied/dpa
Rund 99 Prozent der Wolfsburger Innenstadt und rund 75 Prozent aller eingemeindeten Stadt- und Ortsteile sind laut LSW an der Fernwärmeversorgung angeschlossen. Und das Netz soll weiter ausgebaut werden. Die LSW prüft derzeit eine mögliche Erschließung von Warmenau mit Fernwärme.
Zuschüsse für die Umrüstung auf klimaschonende Heiztechnik
Wer sich für die Umrüstung seiner betagten Heizung entscheidet, sollte sich über Zuschüsse informieren. „In Deutschland gibt es eine Vielzahl von Förderprogrammen für den Neubau, die Modernisierung und die energetische Sanierung“, erklärt Wiechert. Anträge sind unter anderem möglich bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) oder der Investitions- und Förderbank Niedersachsen (NBank). Infos dazu bietet neben der LSW auch die Wolfsburger Energieagentur (WEA) an. Von Christian Opel
Dieser Beitrag Umrüsten von Öl- und Gasheizung lohnt sich stammt aus folgender Quelle www.waz-online.de und wurde am 2022-01-14 11:00:00 veröffentlicht.
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